Melatonin

Der Name "Melatonin" lässt sich sinngemäß als "Schwarzmacher" übersetzen und im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich auch der Begriff "Schlafhormon" dafür eingebürgert. Diese beiden bildhaften Bezeichnungen sind durchaus zutreffend, denn das Melatonin ist von entscheidender Bedeutung für die Regelung unseres Wach-Schlaf-Rhythmus.

Vereinfacht gesagt kann das Melatonin als Gegenspieler des "Glücks- und Wachmacherhormons" Serotonin angesehen werden. Und das nicht nur aufgrund seiner genau gegenteiligen Wirkung auf unseren Körper. Zwischen beiden Stoffen besteht darüberhinaus nämlich der physiologisch enge Zusammenhang, dass eben gerade aus dem Serotonin in der Zirbeldrüse durch enzymatische Umwandlung auch das Melatonin gewonnen wird. Dies hat zur Folge, dass im Körper immer einer der beiden Stoffe die Oberhand gewinnen muss und wir uns je nachdem müde fühlen oder voller Energie sind.

Für den Fall, dass Sie diesen zugegebenermaßen komplexen Zusammenhang noch nicht ganz verstanden haben, versuchen wir es nochmals mit einer etwas bildhafteren Erklärung: Bei beginnender Dunkelheit und in der Nacht wird von der Zirbeldrüse im Stammhirn viel Melatonin durch Umwandlung aus Serotonin produziert, wodurch natürlich der Serotonin-Spiegel im Körper zwangsläufig abfällt. Beide Effekte führen in Summe dazu, dass wir müde werden. Mit dem Erscheinen der ersten Sonnenstrahlen in der Dämmerung des neuen Morgens dreht sich dieser Prozess dann wieder in das genaue Gegenteil. Sobald Licht auf unseren Körper fällt, nimmt - Sie ahnen was jetzt kommt - die Melatonin-Konzentration im Gehirn ab, dafür erzeugen Leber und Milz verstärkt Serotonin, pumpen das Wachhormon in unser zentrales Nervensystem und sorgen somit dafür, dass wir langsam wach werden. Tagsüber, solange Sonnenlicht in unser Auge fällt, wird so gut wie kein Melatonin mehr erzeugt und erst bei einsetzender Dunkelheit kann wieder vermehrt Melatonin von der Zirbeldrüse in das Blut abgegeben werden.

Von diesem regelmäßigen Auf und Ab werden alle unsere physiologischen Prozesse wie Stoffwechselvorgänge, die Körpertemperatur oder das Herz-Kreislaufsystem beeinflusst, die ebenfalls bestimmten Tagesrhythmen unterliegen. Gerät der Ablauf durcheinander, kann es zu körperlichen Störungen und seelischen Beeinträchtigungen bis hin zu schweren Depressionen kommen.

Man weiß heute, dass gerade Winterdepressionen von biochemischen Veränderungen im Gehirn ausgelöst werden, die in einem unmittelbaren Zusammenhang zum überschuss an Melatonin im Vergleich zum Serotonin-Spiegel stehen. Ein Ungleichgewicht der Hormone kommt zustande, weil durch permanenten Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit, im Gegensatz zum Sommer, das Schlafhormon auch tagsüber erzeugt wird. Diese Disharmonie führt bei vielen Menschen leider nicht nur zu Schlafstörungen, starker Müdigkeit und einem Schwächegefühl, sondern mit der Zeit zu einer massiven seelischen Niedergeschlagenheit, die nicht selten in einer echten Depression endet.

Vorbeugend sollte man sich deshalb so oft als möglich im Freien aufhalten, etwa Spazieren gehen oder mit dem Rad fahren, um möglichst viel des spärlich vorhandenen Sonnenlichts aufzunehmen. Wem das aber nicht möglich ist und vor allem Menschen, die bereits erste Symptome einer Depression zeigen, raten ärzte dringend zu einer Lichttherapie, da sich bei dieser Behandlung der Hormonhaushalt erwiesenermaßen am schnellsten wieder regenerieren kann.

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